Besucherzähler  

Heute18
Gestern17
Woche135
Monat541
Insgesamt132792

Aktuell sind 61 Gäste und keine Mitglieder online

   

Rund um den Edersee 45km Proberunde

Details

Wir bereits angekündigt hatten wir uns den Wanderern angeschlossen, die die 45km Strecke vorab zur Probe laufen wollten. Wir waren fest davon überzeugt, dass wir die 45km schaffen würden. Wir waren uns eigentlich nur unsicher, ob wir das Tempo halten konnten oder ob uns die Mittester weglaufen würden. Auch bei Balu machte ich mir wenig Gedanken. Die bisherigen Läufe hat er alle gut verkraftet, auch wenn zwischendurch die Lust bei ihn kurz weg war (seinen Schwanz, der normalerweise auf den Rücken liegt, lässt er dann hängen) aber ein paar aufmundernde Worte und kurze Streicheleinheiten und er ist wieder mit feuereifer dabei :-) Die größte Sorge bei Balu war für mich die Fähre. Unser Plan B wäre halt einfach umzudrehen. So hätten wir ja trotzdem nahe zu 40km auf den Buckel. Aber es kam mal wieder alles ganz anders. Aber erstmal ein kurzer Rückblick zum Abend vor der Runde.

Das abendliche Gassi gehen fiel bewusst kurz aus. 45 Minuten sollten bei langsamen Tempo reichen. Danach den Kohlehydratspeicher voll pumpen. Als alter Rennradfahrer ist es eigentlich tradition am Abend vor dem Wettkampf an der Nudelparty teilzunehmen. Mangels Wettkampf und Nudelparty kochten wir selber :-) Meinen Speicher hatte ich richtig voll gemacht, denn am nächsten Morgen, der ja um kurz vor 5 Uhr für mich zu Ende war, hatte ich überhaupt keinen Hunger. Aber ohne Frühstück 45km zu laufen, ist natürlich keine gute Idee. Wir aßen also wie geplant jeder 2 Rühreier, Tine ein dickes Brot und ich Quark mit Haferflocken.
Pünktlich um 6 sind wir dann wirklich weg gekommen. Bis zu einer Umleitung lief es wirklich gut. Blöd, wenn man ließt, dass die Durchfahrt zu Ort x gesperrt ist, man aber gar nicht weiß, ob man durch den Ort durch muss. Also sind wir nicht der Umleitung gefolgt, was natürlich ein Fehler war, aber wir fanden trotzdem den Parkplatz und waren so um 7:20 Uhr und damit 10 Minuten vorm geplanten Start da. Außer uns war Markus Gründel und seine Frau bereits dort. Nichtcacher werden ihn wahrscheinlich nicht kennen, aber unter den Cachern ist schon sehr bekannt. Er hat nämlich einige Bücher für Cacher geschrieben wie z.B. "Geocaching 1-3" und weitere Fachbücher. Er hat sogar einen Eintrag in Wikipedia. Wir sind also quasi mit einer richtigen Berühmheit gewandert :-) Aber mal unter uns, er ist ein ganz gewöhnlicher Mensch und richtig nett dabei .-)

Ulrike, die Mitorganisatiorin war etwas spät dran, brachte dafür 2 weitere Mitwanderer mit. So machten wir uns zu 7 auf den Weg. Die glorreichen 7 oder so :-) Es war übrigens arschkalt. Ich hatte morgens noch schnell mein 80er Fleece gegen ein 100er getauscht (was natürlich immer noch sehr dünn ist) was auf jeden Fall ein gute Entscheidung war. Zusammen mit der dünnen Softshell, die ich darüber trug, war es nur leicht kalt. Dabei half aber auch die dünnen Fleecehandschuhe. Spätestens am ersten Berg wurde es dann auch etwas wärmer. So um 11 Uhr zog ich dann die Softshell aus. Das Fleece folgte dann etwas später. Es lief wirklich gut. Wir hatten keine Probleme, das Tempo zu halten. Im Gegenteil alleine wären wir vermutlich schneller gestartet. Einbrechen tun wir meist am Schluss :-)

Die Zeit verging wie im Flug und schnell hatten wir 20km hinter uns und die Fähre vor uns. Probleme Fehlanzeige. Meine Beine waren noch fit. Keine Schmerzen, keine Druckstellen. Also ab auf die Fähre und Balu folgte überraschend bereitwillig. Das Bötchen fuhr los und es war dank Elektromotor auch sehr leise. Balu fand es nicht super, aber er war relativ ruhig. 5 Minuten später waren wir auf den anderen Seite. Beim Aussteigen humpelte Balu aber leider. Kurze Pause, aber es blieb dabei, Balu hatte Probleme. Jetzt war guter Rat teuer. Weiter laufen, in der Hoffnung, das es gehen würde? Bei einem Tier keine gute Idee. Wenn ich ein Problem habe, kann ich es gut einschätzen, aber Balu sagt ja leider nichts. So besteht die Gefahr, dass es schlimmer wird und Schäden zurück bleiben. Also fiel ich die Entscheidung, für uns ist an dieser Stelle Schluss.

Ich weiß gar nicht, wer mehr enttäuscht über diese Entscheidung war. Tine würde vermutlich das selbe von sich behaupten wie ich, dass ich natürlich mehr enttäuscht war. Deutlich wird an dieser Stelle auf jeden Fall, dass wir beide fest entschlossen waren, diese Herausforderung zu meistern und 45km zu wandern. Das bedauerliche war ja, dass es nicht an uns lag oder das man halt sagen konnte, kein Problem am Event Tag probieren wir es wieder. Das Humpeln war das Ende unseres Traums, denn Balu werden wir die 45km lieber nicht noch einmal zumuten.

Das größte Problem war aber nun, wie kommen wir zu unserem Auto? Kurze Teambesprechung und es war klar. Erstmal die Fähre zurück, denn von dieser Seite des Sees hieß es einmal um den ganzen See mit  dem Taxi, und das wäre sehr weit und sehr teuer. Von der anderen Seite waren es nur 20km. Also wieder zurück. Balu machte auch das locker mit. Eigentlich ein weiterer Grund richtig enttäuscht zu sein, denn genau die Fähre, war mein größtes Bedenken bei den 45km und ob wir es schaffen.

Die anderen 5 waren natürlich ebenfalls enttäuscht, konnten die Entscheidung aber verstehen. So zogen Sie alleine weiter. An dieser Stelle sei verraten aus 45km wurden fast 50km und nach über 12 Stunden schafften es die anderen ans Ziel, aber zurück zu unserer Geschichte.

Erstmal haben wir dann eine Bushaltestelle gesucht und direkt die erste Enttäuschung am Wochenende fährt hier niemand. Also Taxi? Wir sprachen einen Camper an und der empfahl uns das As-Taxi oder per Boot. Das nächste Boot fuhr erst in über 2 Stunden und auch das As-Taxi wollte erst in 2 Stunden vorbeikommen. Also trampen? Aber wer hält schon an, wenn 2 Wanderer mit großen Hund am Straßenrand stehen und die Hand heben? Richtig, niemand. Also versuchten wir es erst gar nicht. Das Problem war auch, dass hier eigentlich kaum ein Auto  fuhr :-(

Wir entschieden uns dazu, ein Auto anzuhalten, nicht als Anhalter, sondern so, als wenn wir eine Frage hätten  :-) Während Tine mit Balu 3 m entfernt stand, ging ich zum Straßenrand als ein Auto kam. Ich winkte mit der Hand und er hielt wirklich an. Ich schilderte mein Problem und guckte so traurig, wie ich nur konnte. Fiel mir ja nicht schwer, denn ich war wirklich traurig. Also die entscheidene Frage: "Würden Sie mich evtl. zu meine Auto mitnehmen?" 20km also 20 Minuten für einen Fremden investieren? Der Mann, etwas älter als ich sagte: "Kein Problem!" Ich war etwas überrascht und stieg ein. Etwas Smalltalk während der Fahrt und ich wusste, dass er ebenfalls ein Camper war, der normalerweise in der Schweiz arbeitet und gerade auf dem Weg zum Einkaufen war. Er wollte etwas zum Grillen einkaufen ;-) Ich sage es ja immer, die Griller sind schon nette Menschen. Wir unterhielten uns natürlich auch darüber, warum er uns half, seine einleuchtene Aussage: "Wenn ich etwas habe, würde ich ja auch wollen, dass mir jemand hilft". Wenn nur jeder so denken würde!

Ich glaube, so um 5 Uhr waren wir dann wieder zu Hause und hier die erste Überraschung. Als ich die Hundebox öffnete, sprang Balu wie ein junger Hund raus. Kein Humpeln, nichts. Auch abends humpelte Balu nicht einmal. Man könnte jetzt fast auf die Idee kommen, dass Balu ein Simulant ist, aber wir wissen ja, dass er ab und zu Probleme mit der Schulter hat. Beim Longieren hatte er ab und zu auch leichte Probleme. Für uns stand fest, wir werden Balu die 45km nicht zumuten. Er ist ja auch nicht mehr der jüngste und das heißt auch, je älter er wird, desto kürzer werden die Strecken eh, bis er erschöpft ist. Als Hundehalter ist man das gewohnt, aber man nimmt natürlich Rücksicht auf seinen Vierbeiner, der uns ja auch jeden Tag bedingungslos liebt.

Ein Plan C musste her. Ich hätte natürlich abends auf die Teilnahme verzichtet, so dass Tine alleine zum Event und vorher die 45km bezwingen kann, denn schließlich ist es ein Geocachingevent, da muss ich als Nichtcacher ja nicht unbedingt hin. Aber irgendwie ist das ja auch blöd. Wir haben beide trainiert und wir wollen beide die 45km laufen und zwar gemeinsam. Außerdem sollte man in einer Ehe die schönen Momente gemeinsam erleben und ich denke, wenn wir 45km gemeinsam durchstehen, ist das einer dieser schönen Momente ;-)

Balu alleine zu Hause lassen über 12 Stunden geht natürlich gar nicht. Balu in eine Tagespension? Nur im äußersten Notfall, aber nicht für ein Ziel, was die meisten wohl sowieso als absoluten Wahnsinn einstufen. Wie so oft im Leben gibt es nur wenige Personen, die man bei bestimmten Sachen um Hilfe fragen kann. Und Balu würden wir nicht jedem überlassen, da kommen eigentlich nur meine Eltern in Frage. Meine Mutter müsste zwar theoretisch an dem Samstag arbeiten, aber das konnte sie mit einer Kollegin tauschen. Meine Eltern werden also am Samstag auf Balu aufpassen und wir werden die 45km gemeinsam angehen...

   
© Thomas Schmidt