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Extreme Geowanderevent - 50km wandern

Details

Der Tag der Entscheidung - 07.05. Ich war wie immer sehr aufgeregt. Der Grund war nicht, ob wir die 45km schaffen würden (50km sind es geworden), sondern ob unser Plan funktioniert und ob mit Balu alles klappt. Vorweg der Plan ging auf. Meine Eltern betreuten Balu und übergaben uns unseren Vierbeiner an der letzten Verpflegungsstelle bei km 35. Zeitlich hatte ich es eigentlich gut geplant, aber es kam natürlich doch anders, weil wir einfach so viel schneller unterwegs waren, als bei allen bisherigen Wanderungen und so musste ich während des wanderns noch ein wenig rechnen, damit die Wartezeit bei der Übergabe von beiden Seiten so kurz wie möglich ist. Meine Eltern mussten dort ca. 10 Minuten auf uns warten. Passte also. Aber der Reihe nach:

Pünktlich um 06:40 Uhr fuhren wir auf den Startparkplatz. Um 07 Uhr ging es los. 20 weitere Cacher waren genauso verrückt wie wir und wollten die 45 km angehen. Aber mit welchen Tempo es losging, damit hatte ich nicht gerechnet. Solche Geschwindigkeiten hatten wir nicht mal Ansatzweise trainiert. Der Schnitt lag in den ersten zwei Stunden bei über 6 km/h. Wir starteten ganz hinten merkten aber auf den ersten Metern, dass ganz vorne das Tempo extrem hoch war. Für mich war klar, da müssen wir dran bleiben und so marschierten wir los, um den Anschluss an die Spitzengruppe nicht zu verlieren. Die Spitzengruppe umfasste am ersten kurzen Berg der keine 500m vom Start anfing ca. 12 Personen. Ich fühlte mich trotz des Tempos extrem wohl. Am zweiten Berg riss die Gruppe etwas auseinander, da wir bei unseren Wanderungen immer auf viele Steigungen geachtet haben, marschierten wir ziemlich schnell ganz vorne in der Truppe mit. Nach etwas mehr wie 10km sollte die erste Pause stattfinden, aber ohne uns. Wir entschieden uns für eine Pause nach dem Berg, der kurz nach den 10km anfing. Es lief mehr oder weniger auf das gleiche hinaus. Als wir unsere Pause oben beendeten trudelte das Spitzenduo mit etwas Abstand folgend weitere Wanderer ein, so dass wir gemeinsam die restlichen km bis zur ersten Verpflegungsstelle in Scheid absolvierten. Mit 8 Personen erreichten wir diese geschlossen und etwas Abstand weitere 3. Die wir aber bis zur Fähre wieder verloren.

Unglaublich wie schnell die Zeit verging. Die 20km vergingen wie im Flug. Vielleicht fühlte ich mich deshalb auch noch so fit?

Ich hatte bei meiner Planung darauf geachtet, dass mein Rucksack nicht mehr als 10% meines Körpergewichtes wiegt und so habe ich bewusst nur Wasser für die ersten 20-25 km bei. Beim Training hatte ich bisher meinen Rucksack schwerer gepackt :-) Es war übrigens auch ein Vorteil, dass Balu nicht vom Start an dabei war, denn für den hätten wir ja auch nochmal einiges an Wasser mitschleppen müssen. So mussten wir nur 1,5l bei Übergabe von Balu einpacken.

Zu 8 ging es also weiter Richtung Pertskopf. Vor dem Peterskopf gab es noch eine weitere Verfplegungsstelle, an der ich mich mit Wasser versorgte.

Ab dieser Verpflegungsstation wurde es richtig giftig. Die Sonne knallte und der Weg Richtung Peterskopf bestand aus reinem Asphalt. Ich fühlte mich weiterhin sehr wohl, wechselte aber immer wieder die Straßenseite auf der Suche nach etwas Schatten. Die Stöcke halfen mir ungemein. Das Spitzenduo konnte den Abstand an den Berg nicht vergrößern, im Gegenteil ich kam näher. Meine Frau viel etwas zurück und mahnte mich, mein Tempo zu drosseln, damit ich durchhalte. Das tat ich natürlich nicht, sorgte aber dafür, dass meine Frau bei mir blieb und nicht zurückviel. Wir waren so im Rausch, dass wir den Abzweig verpassten und weiter Richtung Kopf marschierten :-) Was nicht tragisch war, denn so fiel unser Abstieg einfach nur etwas länger aus...

Endlich unten eine kurze Verschnaufpause. 7 Wanderer waren wir zu dem Zeitpunkt. Eine Mitwanderin hatte sich aber bis hierher wohl extrem verausgabt, so dass auch Schokolade nicht mehr helfen konnte. Vorne lief das Spitzenduo. Ziemlich schnell waren auch wir alleine. Die beiden hielten aber immer mal wieder, um auf die anderen zu warten. Ansonsten wären sie wohl noch schneller gewesen. Man muss dazu sagen, das beide mit Stöcken unterwegs waren und extrem lange Beine hatten. Für jeden Schritt von den beiden mussten wir 2 machen. Irgendwann kam aber niemand mehr, so dass wir zu viert die Serpentienen vor Asel Süd meisterten. Der Anstieg war wirklich nochmal ein hartes Stück Arbeit und ohne meine Stöcke wäre ich hier wohl eingebrochen, aber so hielt ich mit und zu viert erreichten wir die dritte und letzte Versorungsstation bei km 35. Es war das letzte mal, dass wir die beiden sahen, denn ab hier war Balu mit von der Partie.

Tine gönnte sich dort Kaffee und Erbeerkuchen. Es fiel ihr echt schwer, an den ersten zwei Verpflegungsstation keinen Kaffee zu nehmen :-) Ich füllte nochmal 1l Wasser in meinen Rucksack und schon ging es weiter.

Nach etwa einer Stunde hatten wir unser eigentliches Ziel 42,195 km (die klassische Marathondistanz) geschafft. Ab hier wurde es eigentlich erst interessant. Während ich die ersten 40km immer gut drauf war, zwischenzeitlich keine besonderen Hochs oder Tiefs druchlebt habe, kamen die ab dort in relativ kurzen Abständen. Klar bei den 42 km kam ein Hoch. Ich war glücklich und stolz, aber schnell kam auch ein Tief. Schmerzen machten sich breit. Nach dem Abstieg vom Peterskopf hatte ich schon einen Schmerz am linken kleinen Zeh gespürt. Nur zum Nachgucken Hatte ich keine Lust und vermutlich hätte ich die Socke auch nicht mehr richtig anbekommen (hatte für solche Fälle extra Ersatzsocken im Rucksack, an die ich natürlich nicht mehr gedacht habe). Klar so etwas rächt sich früher oder später. Normalerweise hätte ich dort den Zeh abkleben müssen. Auch an anderen Stellen meldeten sich verschiedene Körperteile. Aber ab hier griff irgendwie ein Automatismus. Einfach ein Fuss vor dem nächsten. Ja bis km 45 ging es so und ab hier war klar das es dann doch nochmal eine gute Stunde dauern würde, bis wir am Ziel sind. Die Durschnittsgeschwindigkeit hatte sich eigentlich nicht mehr verändert. 4,9 km/h pro Stunde incl. Pausen.
Ab hier machte ich dann auch Trinkfehler, denn ich vergaß zu trinken, als ich es merkte und dann zu viel trank, bekam ich erst Seitenstechen und es dauerte etwas bis ich mich wieder wohl fühlte. Getrunken habe ich übrigens 2,4l Wasser und zwei kleine Joghurtdrinks. Als wir in Herzhausen ankamen, der Weg also nicht mehr weit sein konnte, kam natürlich das nächste Hoch was bis zum Ziel anhielt. Das Tief kam dann beim Umziehen :-) Es viel echt schwer sich zu bücken, Schuhe aufmachen oder frische Socken anziehen usw. Brutal wurde es allerdings erst, als ich nach der Autofahrt zum Eventort 4km entfernt aussteigen wollte :-) So richtig ohne humpeln ging nichts mehr. Ich bin ehrlich, ich war für den Tag absolut k.o. und dementsprechend haben wir es nicht mehr lange dort ausgehalten.

Die Nacht war auch sehr komisch. Ich wachte klitschnass auf. Als ich auf Toilette ging, schmerzte mein Knie tierisch. Auch am nächsten Morgen merkte ich mein Knie allerdings nur, wenn ich es leicht verdrehe. Das Laufen insgesamt viel schwer. Das gab sich aber bei der ersten Runde morgens mit Balu.
Das heißt ab dort waren die Schmerzen weitestgehend weg. Leichter Muskelkater im Oberschenkel, aber ansonsten alles sehr gut. Die kleine Blase am linken Zeh hatte ich erst abends zu Hause entdeckt und abgeklebt.

Mein persönliches Fazit: Ich bin Stolz auf uns, dass wir es durchgezogen hatten. Unser Training verlief perfekt und es war sehr schön, gemeinsam das Ziel zu erreichen. Ohne Training hätten wir es wohl nicht geschafft und auf keinen Fall in dem Tempo. Mit Ziel meine ich nicht den Parkplatz sondern das Gesamtpaket. Besonders stolz bin ich aber auf meine Frau, denn sie hat ja nun gleich mehrere Nachteile kompensieren müssen. Zum einen habe ich als Mann was Muskeln, Ausdauer usw. angeht Vorteile. Zum anderen ist Tine noch kleiner wie ich und somit sind die Schritte auch kürzer wie meine, dass heißt sie muss noch mehr Schritte absolvieren los ich. Der letzte und entscheidene Nachteil sind Wanderstöcke. Mit Stöcken ist man einfach soviel schneller. Gerade am Berg. Tine war auf der Strecke definitiv ohne Stöcke als erste mit weiten Abstand im Ziel. Ab km 35 wäre ich ohne Stöcke auch nicht mehr weit gekommen. Bergab ging es, aber schon bei leichten Anstiegen hätte ich echte Probleme ohne. Es wäre ein großer Fehler gewesen, wenn nur einer von uns gelaufen wäre, denn zusammen macht es doch soviel mehr Spaß.

Ach ja das Event war natürlich kein Wettkampf, aber als Mann kann ich doch eigentlich nicht anders. Man misst und vergleicht sich bei sportlichen Leistungen mit anderen. Schlecht abgeschnitten haben wir dabei nicht :-), aber wie schon gesagt, die 50km waren kein Wettkampf. Ob ich so etwas nochmal machen würde? Vermutlich ja

   
© Thomas Schmidt